Faszination Weißstorch
Auf den Storch bin ich im Jahr 2005 gekommen. Ich machte damals eine Fahrradtour entlang der oberen Donau, und mir fielen die zahlreichen Storchenhorste auf. Fast in jedem Ort den ich durchfuhr war einer zu finden. Wieder zu Hause gab ich mal bei Google "Storch" ein----------und das war er, der Anfang meiner Begeisterung für diese faszinierenden Vögel.
Ursprünglich war der Weißstorch in Afrika beheimatet, erst später zog er nach Europa um hier zu brüten. Die Störche unterscheidet man nach den Zugstrecken die sie wählen um in ihr Winterquartier zu gelangen. Die Westzieher nehmen die Route durch Frankreich entlang der Rhone, durch Spanien, sie überqueren die Strasse von Gibraltar und überwintern im westlichen Teil Afrikas. Die Ostzieher, diese machen 80% der Storchenpopulation aus, ziehen durch Osteuropa, überqueren den Borporus, und ziehen über die Türkei, Lybien, Israel, Ägypten am Nil entlang in den Sudan. Sie überwintern meist in den östlichen Gebieten Afrikas, können aber durchaus den ganzen Kontinent bis nach Südafrika durchfliegen. Sie legen dabei nicht selten Strecken bis zu 10.000km zurück, in durchschnittlichen Tagesetappen von 150km-300km. Was für eine unglaubliche Leistung! Um sie vollbringen zu können machen sich die Störche die Technik des Termikfliegens zunutze.
Am Morgen wartet der Reisetrupp von vielen hundert Vögeln bis die Sonne den Erdboden erwärmt hat. Unter den wartenden Störchen herrscht eine ganz sonderbar gespannte, abwartende Stimmung. Keiner regt sich. Etwa 4 Stunden nach Sonnenaufgang, so gegen 11 Uhr, kommt plötzlich Bewegung in den Trupp. Einzelne Störche fliegen auf, die restlichen folgen. Bald haben sie mit wenigen Flügelschlägen eine Thermikblase gefunden und schrauben sich in dieser nun spiralförmig in die Höhe. Kein Flügelschlag ist nötig, der warme Aufwind trägt sie nach oben. Wenn eine Höhe von etwa 700m erreicht ist, verläßt der erste Storch die Thermikblase und läßt sich in einen Sinkflug gleiten. Der restliche Trupp folgt, einer nach dem anderen. Am Ende des Sinkfluges beginnt ein erneutes in die Höhe Schrauben in der nächsten Aufwindblase. Auf diese Weise können beachtliche Strecken mit möglichst wenig Kraftaufwand zurückgelegt werden. Und so erklärt sich auch, warum die Störche nur die genannten Zugwege über Meerengen benützen können. Sie können ausgedehnte Wasserflächen nicht überqueren, weil dort keine Thermik vorhanden ist.


Im September 2008 bin ich mit meinem Mann an die Straße von Gibraltar gereist, um den Storchenzug vor Ort zu erleben. Ich habe versucht das, was ich gerade geschildert habe, mit der Kamera einzufangen. Aber kein Bild kann den überwältigenden Anblick wiedergeben, der sich einem bietet, wenn Hunderte von Störchen genau über einem im blauen Himmel kreisen. Ein schwarz weißes Flirren, unsagbar schön! Wir standen mit offenem Mund da und schauten und staunten. Es war mit das Schönste was ich in meinem Leben gesehen habe.
Jedes Jahr im August machen sich die Störche auf diese weite Reise. Die Jungstörche fliegen, begleitet von Altstörchen die ihnen den Weg zeigen, schon Anfang August los. Die meisten Altstörche folgen dann Ende August, Anfang September. Unzählige Gefahren lauern auf dem weiten Weg, und wir Menschen tun ein Übriges um die Reise noch gefährlicher zu machen, als sie sowieso schon ist. In Südeuropa werden, trotz Verbotes, Störche und andere Zugvögel bejagt. Eine Vielzahl vor allem junger und unerfahrener Störche findet den Tod an ungesicherten Strommasten. Rastplätze fallen der Intensivierung der Landwirtschaft zu Opfer. Ich selbst konnte beobachten wie ein Reisfeld, in dem ca. 200 Störche auf ausreichende Thermik warteten, ungeniert von einem Flugzeug aus mit Gift besprüht wurde. Dem Piloten war das vollkommen egal.

Um die Zugwege der Störche genau zu erforschen, und damit die Möglichkeit zu haben sie auch sicherer zu machen, werden seit einigen Jahren einzelne Störche gezielt mit Sendern ausgerüstet. Diese melden via Satellit täglich die genauen Koordinaten des momentanen Aufenthaltsortes des Storches. Prominenteste Trägerin einen solchen Senders war meine Patenstörchin "Prinzesschen", die leider im Dezember 2006 in Südafrika den Tod fand. Auf dem Storchenhof Loburg (linkliste) wurden letzes Jahr 3 Störche mit Sendern versehen, und es war ungemein spannend ihre Reise im Internet verfolgen zu können. Telemetrie kostet sehr viel Geld, und jeder der eine Patenschaft für einen Senderstorch erwirbt trägt dazu bei, daß auch in Zukunft dieser Forschungszweig betrieben werden kann. Auch die NABU wird 2009 ein Telemetrieprojekt starten um die Reise der Störche und anderer Zugvögel sicherer zu machen. Näheres findet ihr auf der Homepage der NABU.
Im Januar/Februar machen sich die Störche wieder auf die Rückreise in ihre Brutgebiete. Die Westzieher kommen, bedingt durch die kürzere Flugstrecke, oft schon Ende Januar oder Anfang Februar an. Bei den Ostziehern kann es schon April werden, bis sie schließlich auf ihrem Horst eingetroffen sind. Störche brüten fast in ganz Europa, aber auch in Nordafrika. Osteuropa, vor allem Polen, weist eine sehr große Storchenpopulation auf. In Deutschland gab es 1932 noch rund 9000 Weißstorchenpaare, im Jahr 1988 zählte man gerade noch 2949 Paare. Wir hätten es beinahe geschafft den Storch aussterben zu lassen, er mußte in die Liste der bedrohten Tierarten aufgenommen werden. Besonders in Westeuropa wurde in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs keinerlei Rücksicht auf andere Lebewesen oder die Natur genommen. Feuchtwiesen wurden trockengelegt und landwirtschaftlich genutzt, Gewerbegebiete und Industriezentren entstanden, Straßen wurden gebaut. Der Mensch hat immer mehr Land für sich beansprucht und versiegelt, für die Störche wurde der Lebensraum immer weniger. Seit 1990 erholt sich der Storchenbestand in Deutschland wieder etwas, so daß im Jahr 2000 wieder 4422 Paare gezählt werden konnten. Dies wurde aber nur möglich durch die unermüdliche Arbeit von Naturschützern und Storchenbetreuern. In Storchenhöfen, wie Papendorf und Loburg, ist man ständig bemüht den Weißstorch in seiner schwierigen Situation zu unterstützen. Es werden die Horste im Frühjahr gereinigt, neue Horstunterlagen werden gebaut, verletzte Störche werden geborgen und wenn es möglich ist gesundgepflegt und wieder ausgewildert. Es wird darauf hingewirkt daß Strommasten gesichert werden, und es wird versucht zu verhindern, daß noch die letzte Feuchtwiese, auf der ein Storchenpaar Futter für seine Jungen findet, mit einer Straße zugepflastert wird. Ohne diese tatkräftige Hilfe seitens einiger engagierter Menschen stünde es schlecht um den Weißstorch in Deutschland.
Bald nach der Ankunft auf dem Horst beginnt das Storchenpaar unverzüglich mit den Vorbereitungen für die Jungenaufzucht. Besonders für die Ostzieher wird die Zeit eng, denn schon Anfang August müssen die Jungstörche soweit sein, daß sie die Reise in den Süden antreten können. Übrigens überleben 80% der Jungstörche ihren ersten Zug nicht. Es gibt inzwischen zahlreiche Storchenhorste die mit einer webcam ausgestattet sind, so daß man im Internet das Geschehen im Nest von der Eiablage bis hin zum Ausfliegen der Jungstörche beobachten kann. Im Forum des Storchenhofes Papendorf (linkliste) sind die meisten Storchenwebcams aufgeführt.
Der Weißstorch ist nur eine von sehr vielen Arten, denen wir Menschen durch unsere beispiellose Rücksichtslosigkeit das Überleben sehr schwer gemacht haben. Und vielleicht konnte ich den Einen oder Anderen für die Problematik etwas sensibilisieren. Guckt bitte hin und nehmt wahr was wir tun!





