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Wellensittichhaltung
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Haltung

 

Halte einen Wellensittich niemals alleine und gib ihm genügend Möglichkeit zum Fliegen! Wenn man diesen Ausdauerflieger den ganzen Tag in einen womöglich noch zu kleinen Käfig einsperrt ist das Tierquälerei!

Über geeignete Käfige möchte ich hier nur das Allernötigste schreiben. Über die links in der linkliste könnt ihr euch darüber umfassender informieren. Was mir wichtig erscheint ist, daß die meisten Käfige die einem in Zoohandlungen und Zoomärkten empfohlen werden zu klein sind. Auch wenn man nur 2 Wellis hält sollten die  Käfigmaße 80cm x50cmx80cm nicht unterschreiten. So ist wenigstens ein Mimimum an Flugraum gesichert. Wobei das Entscheidende die Breite ist. Eine Voliere die 1,50m hoch ist, dafür aber nur 60cm breit, bringt überhaupt nichts. Die Vögel werden sich in der oberen Hälfte aufhalten und den bodennahen Raum ungenutzt lassen. Die Verstrebung des Käfigs sollte quer verlaufen, das erleichtert den Vögeln das Klettern.

Absolut ungeeignet sind:

  • runde Käfige (Vögel können sich nicht orientieren)!
  • goldene oder grellweiße Käfige (Blendgefahr, schädlich für die Augen)!
  • Käfige mit plastiküberzogenen Stäben die abgeknabbert werden können!

Wichtig! Kein Käfig, egal wie groß er ist, ersetzt den täglich notwendigen mehrstündigen Freiflug!

Bei der Käfigeinrichtung sollten vor allem Naturäste und Naturmaterialien verwendet werden. Gut ist es wenn die Äste unterschiedlich dick sind und so angeordnet werden, daß eine Flugmöglichkeit durch die ganze Breite des Käfigs besteht. Dieser Flugraum sollte nicht mit übermäßig viel Spielzeug zugehängt werden. Die Äste sollten so dick sein, daß der Welli mit seinen Zehen nicht ganz herumgreifen kann. So kann er seine Krallen auf natürliche Weise abnützen. Ich benütze vor allem Haselnußäste, aber es gibt sehr viele andere Holzarten die man verwenden kann. Man findet eine Auflistung in nahezu jedem Wellensittichforum. Ein unbedigtes Muß bei meinen Zwergen sind Schaukeln, denn darauf schlafen sie.

Absolut ungeeignet sind:

  • Spiegel! (in die Mülltonne)
  • Plastikstangen (zu hart, können Geschwüre an den Fußsohlen hervorrufen)

 

Der Standort des Käfigs sollte hell und ruhig sein, aber er darf nicht der direkten Sonne ausgesetzt sein. Auch sollte er zugfrei sein, denn Zugluft kann bei Wellensittichen schwere Erkältungen bis hin zur Lungenentzündung hervorrufen. Die Raumtemperatur sollte nicht zu trocken sein. Besonders im Winter ist darauf zu achten, den geheizten Raum mit ausreichend Luftfeuchtigkeit zu versorgen. Wellensittiche brauchen zur Aufrechterhaltung ihres Immunsystems UV Licht. Selbst im Sommer ist das in einem geschlossenen Raum nicht vorhanden, weil Fensterglas das UV Licht nicht durchläßt. Hier schaffen spezielle bird-lamps Abhilfe, das sind Sparglühbirnen oder Leuchtstoffröhren mit für Vögel optimaler Lichtzusammensetzung. Der Käfig darf nicht in der Küche stehen. Heiße Herdplatten/ Kochgeschirr, sowie Dämpfe können zu schweren Verletzungen führen oder gar tödlich enden.

 

Es empfiehlt sich im Freiflugzimmer einen Spiel- und Landeplatz für die Wellis einzurichten. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wobei Naturmaterialien selbstverständlich wieder Trumpf sind. Ganz toll sind schöne Äste, z. B. Korkenzieherhasel, die von der Decke herunterhängen. Auch ein Stück Korkröhre (gibts leider in den wenigsten Zoogeschäften) ist wunderbar zum Schreddern und Herumturnen. Und das Schreddern an Kork oder Holz wiederum ist sehr wichtig für eine natürliche Abnutzung des Schnabels.

Sehr schöne Gestaltungsmöglichkeiten bieten Sisal- oder Baumwollseile, die an zwei Haken an der Decke befestigt werden können. Ich selbst habe allerdings grobfaserige Seile auf Anraten meiner Tierärztin aus dem Vogelzimmer verbannt. Die Gefahr ist sehr groß daß die Wellis die Fasern schlucken, und sich diese dann in Form eines großen Klumpens im Kropf ansammeln. Ich werde mein Vogelzimmer noch gesondert vorstellen, vielleicht findet ihr da noch die eine oder andere Anregung. Außerdem gibt es jede Menge Tips in Welliforen, die entsprechenden links findet ihr am Ende meiner HP. Bei allem was mit Bast oder Schnur festgebunden wird bitte darauf achten daß die Enden kurz abgeschnitten werden. Es haben sich schon viele Vögel an solchen Enden aufgehängt.

Bitte achtet auf Gefahrenquellen im Freiflugzimmer. Die häufigsten sind:

  • ungesicherte Fenster
  • giftige Zimmerpflanzen
  • offene tiefe Gefäße (ertrinken)
  • Putzmittel/Chemikalien
  • lange Schnur- oder Bastenden (Strangulationsgefahr)
  • engmaschige Gardinen (Verletzungsgefahr durch Hängenbleiben oder Verheddern)
  • Bleiband in Gardinen (Bleivergiftung)
  • andere Haustiere (Hund, Katze)
  • schmale Spalten hinter Schränken oder Heizung
  • Achtung bei Raclettöfen und beschichteten Pfannen!!! Die Beschichtung gibt bei Erhitzung Dämpfe ab die für Vögel hochtoxisch sind. Niemals im Zimmer verwenden in dem sich ihre Vögel befinden.

 

 

Ernährung

 

Das Hauptnahrungsmittel der Wellensittiche ist Körnerfutter. Man kann es in Zoohandlungen und Zoomärkten, aber auch in jedem Supermarkt kaufen. Ganz wichtig ist, daß man qualitativ gutes Futter verfüttert. In den Mischungen aus dem Supermarkt sind oft Zusätze ( Bäckereiabfälle, Molkereiprodukte) enthalten, die der Vogel gar nicht verwerten kann und die ihn krank machen können. Mit Futter aus dem Zoomarkt hab ich schon die Erfahrung gemacht, daß es nicht mehr frisch war. Zoomärkte kaufen das Futter oft in großen Mengen ein, entsprechend lange lagert es. Es kann leicht passieren daß sich Schimmel in zu lange und nicht sachgemäß gelagertem Futter bildet. Wenn man seine Nase zu Hilfe nimmt kann man sehr schnell herausfinden ob das Futter frisch ist oder nicht. Nicht mehr frisches Futter riecht muffig, ranzig oder modrig. Eine dritte Möglichkeit Körnerfutter zu beziehen bieten Internetshops. Hier sind die Futtermischungen normalerweise auch ohne unnötige Zusatzstoffe und wegen der richtigen Lagerung und der großen Abnehmerzahl auch frisch. Außerdem werden diese Shops oft von Leuten betrieben die selbst Halter oder Züchter von Vögeln sind und deshalb wissen worauf es ankommt.

Das Wasser für die Vögel muß täglich ausgewechselt werden, denn es verkeimt sehr schnell. Am besten ist es wenn man  sich mehrere Wasserbehälter zulegt, so daß jeder nach dem Auswaschen mit heißem Wasser 48 Stunden austrocknen kann.

Quell- und Keimfutter ist ein leckerer Vitaminlieferant. Vor allem für die Ernährung von kranken Vögeln ist es sehr geeignet, weil es weicher ist als normales Futter. Aber auch gesunden Vögeln kann es regelmäßig angeboten werden, sie fressen es sehr gerne. Man kann das normale Körnerfutter keimen lassen (gutes Futter muß keimfähig sein), oder aber spezielle Keimfuttermischungen kaufen. Diese gibt es in den von mir schon mehrfach erwähnten Internetshops. Um Keim- oder Quellfutter herzustellen, muss man die Körner zuerst gründlich waschen und dann, am besten über Nacht, in einem Gefäß mit Wasser bedeckt stehen lassen. Hierfür eignet sich entweder ein Plastiksieb, das mit den Körnern befüllt in eine Schale mit Wasser gehängt wird, oder ein Keimautomat/-glas.
Lässt man die gequollenen Körner antrocknen und verfüttert sie gleich, spricht man von Quellfutter. Anschließend wird das Wasser abgegossen und die noch feuchten Körner werden für 24-48 Stunden keimen gelassen. Während dieser Zeit sollte man die Körner ab und zu durchspülen. Anbieten kann man das Futter, wenn die ersten Keime gerade zu sehen sind, zu dieser Zeit sind die meisten Vitamine vorhanden. Oder man wartet, bis sie etwas größer geworden sind, je nachdem wie es die Vögel am liebsten mögen. Ab einer Länge von ca. 1 cm bilden sich im Keimling Bitterstoffe, dann fressen die Vögel das Futter meistens nicht mehr. Vorsicht! Keimfutter verdirbt schnell! Auf Hygiene achten und das Futter mehrmals täglich gründlich durchspülen. Was nach 2 Tagen noch übrig ist bitte wegschmeißen. Auch sollte es den Vögel nicht länger als einen halben Tag zur Verfügung stehen.

Frischkost müssen eure Vögel täglich bekommen. Wenn sie nicht daran gewöhnt sind kann es sein, daß sie es am Anfang nicht anrühren. Aber nicht den Mut verlieren und es beharrlich jeden Tag von Neuem versuchen. Irgendwann kommen sie auf den Geschmack. Es ist erstaunlich was man seinen Wellis alles anbieten kann. Eine sehr umfangreiche Auflistung findet ihr hier: www.vwfd.de/2/24/245.php Wichtig ist, daß nicht gefressene Reste von Obst oder Gemüse jeden Tag entfernt und durch Frisches ersetzt werden müßen. Bitte ausschließlich Bioprodukte verfüttern! Pestizide und Kunstdünger sind schon für den Menschen nicht gut, um wieviel schädlicher müßen sie für einen kleinen Vogel sein. Leberschäden und Tumorerkrankungen können die Folge sein.

 

Kolbenhirse ist die erklärte Leibspeise vieler Wellensittiche. Aber Vorsicht, nicht zu häufig anbieten, sie macht dick! Wer, wie ich, einige zu mollig geratene Wellis dabei hat, sollte sie nur einmal pro Woche geben. Bei mir gibt es Kolbenhirse nur am Sonntag. Dickmacher wie Knabberstangen läßt man am besten ganz beiseite.

 

Mineralien brauchen die Vögel zum Aufbau von Knochen und zur Federbildung. Um eine ausreichende Versorgung mit diesen Stoffen zu gewährleisten bitte einen Mineralstein in den Käfig hängen.

 

 

Gesundheit

 

Dieses Thema ist so umfangreich, daß ich auch hierzu nur das Allerwichtigste schreiben kann. Sehr wesentlich ist, was ich eingangs über den wildlebenden Wellensittich geschrieben habe: er ist ein in einem großen Schwarm lebender Nomadenvogel. Das bedeutet, daß er so lange es irgendwie geht zu verstecken versucht, wenn es ihm nicht gut geht. Denn kranke Vögel werden aus dem Schwarm ausgeschlossen, sie können nicht mehr mithalten. Und dies wiederum bedeutet den sicheren Tod.

Wenn also ein Welli mit aufgeplustertem Gefieder auf der Stange sitzt und sich von den anderen Vögeln absondert, ist seine Erkrankung schon sehr weit fortgeschritten. Er kann seinen schlechten Zustand nicht mehr verstecken. Dann ist es wirklich allerhöchste Zeit für einen Besuch bei einem vogelkundigen Tierarzt. Leider sind sehr wenig Tierärzte für eine Behandlung von Vögeln geeignet. Das liegt am Aufbau des tiermedizinischen Studiums, die Vogelkunde wird nur sehr am Rande und in sehr kleinem Rahmen den Studenten nahegebracht. Will sich ein angehender Tierarzt in diesem Bereich fundiert ausbilden lassen, muß er eine zeitintensive Zusatzausbildung absolvieren. So kommt es, daß sehr viele Tierärzte über Erkrankungen von Vögeln weniger wissen als ein gut informierter und interessierter Halter. Es gilt also im Erkrankungsfall eines Vogels den richtigen Tierarzt zu finden und oft lange Wegstrecken in Kauf zu nehmen, um zu ihm zu gelangen. In vielen Wellensittich Foren kann man Listen mit vogelkundigen Tierärzten einsehen, oder man bekommt dort auf Anfrage von anderen Usern einen solchen empfohlen. Ich selbst arbeite mit zwei Tierärztinnen zusammen, die ich jederzeit an euch weiterempfehlen kann. Anfrage genügt, ansonsten verweise ich wieder einmal auf meine linkliste!

Da also der Wellensittich seinen Krankheitszustand so lange wie möglich verbergen wird, muß der Halter seinen Blick etwas schulen, um so früh wie möglich zu sehen wann etwas nicht in Ordnung ist. Es gibt Anzeichen einer beginnenden Erkrankung, die man auf jeden Fall ernst nehmen sollte:

  • sieht der Kot anders aus als normal? Ist er zu wässerig, oder gar nur eine Wasserpfütze? Hat er seine Farbe verändert? Sind unverdaute Körner enthalten? Bleibt er am Kloakengefieder des Vogel kleben? Ist der Weißanteil nicht mehr weiß sondern gelb?
  • frißt der Vogel mehr oder weniger als normal?
  • verändert er sein Verhalten? Will er nicht mehr aus dem Käfig, oder sondert er sich von den anderen Vögeln ab?
  • schläft er mehr als sonst?
  • würgt er, obwohl er keinen Partner füttern will?
  • erbricht er, das heißt schüttelt er nach dem Würgen heftig den Kopf? Und wird dabei das Kopfgefieder mit Schleim verklebt?
  • atmet er schwer, und wippt er bei jedem Atemzug heftig mit dem Schwanz?
  • kann man beim Atmen Geräusche hören?
  • blutet er? (bitte sofort mit blutstillender Watte die Blutung stoppen und den Vogel zum Tierarzt bringen. Vögel verbluten sehr schnell!!!!!)

Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie ist nur als Anhaltspunkt gedacht worauf man als Vogelhalter besonders achten sollte. Je früher eine beginnende Erkrankung entdeckt wird, desto größer sind die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Wer sich umfangreicher über Krankheiten der Wellensittiche und deren Behandlungsmöglichkeiten informieren möchte, findet sehr viel Wissenswertes auf dieser Seite:www.bird-online.de  Hier kann man auch vorab mal nachsehen, wenn einem bei seinem Vogel eine Veränderung aufgefallen ist. Allerdings den Gang zu einem vogelkundigen Tierarzt ersetzt eine Internetseite oder ein Forum nicht.

 

Diagnose und Behandlung eines erkrankten Vogels gehören ausschließlich in die Hände eines vogelkundigen Tierarztes! Bitte keine Selbstdiagnosen und Selbstbehandlungen!

 

Das Achten auf Hygiene stellt einen wesentlichen Beitrag zur Gesunderhaltung seiner Vögel dar. So sollte, je nach Anzahl der Vögel und der Verschmutzung, der Sand oder das sonstige Einstreu alle 2-3 Tage erneuert werden. 1x pro Woche sollte eine gründliche Reinigung des Käfigs innen und außen, sowie des Spielplatzes und der Käfigausstattung vorgenommen werden. Dafür benutze ich möglichst heißes Wasser mit einem guten Schuß Bio Apfelessig. Bitte verwendet keine Putzmittel oder irgendwelche Desinfektionsmittel. Diese dringen ins Holz ein und können dort von den Vögel aufgenommen werden. Grobe Verschmutzungen kratzt man am besten mit einer Spachtel ab. Zur Reinigung des Käfigs/Voliere läßt sich auch sehr gut ein Dampfreiniger benutzen. Ich benutze meinen im Vogelzimmer allerdings nur im Sommer, wenn ich die Fenster öffnen kann. Im Winter bei geschlossenen Fenstern steigt die Luftfeuchtigkeit derart an, daß ich Angst habe vor Schimmelbildung.

Wasserspender sollten, wie schon erwähnt, täglich gewechselt und nach dem Auswaschen 48 Stunden getrocknet werden.

Die Futternäpfe, ich empfehle solche aus Edelstahl, wechsle ich nach Bedarf. Bei starker Verschmutzung täglich, sonst 2x wöchentlich. Edelstahlnäpfe lassen sich am besten reinigen, weil man sie in die Spülmaschine geben kann. Wer seine Wellis auf dem Boden füttern will, kann dafür glasierte Blumenuntersetzer benützen. Diese würde ich aber unter ein schützendes Dach stellen, weil sonst die Verschmutzung durch Kot doch sehr groß sein dürfte.

Ich desinfiziere meine gesamten Futternäpfe und Wasserspender, sowie auch die Klammern für die Frischkost 2x im Monat mit F10. Dies ist ein Desinfektionsmittel das mir ein vogelkundiger Tierarzt empfohlen hat, und das seiner eigenen Aussage nach wirklich für Vögel völlig unbedenklich sein soll.